Potsdam

Ziel des Projektes ist es, im Zuge der Neuordnung der Gartenstadt Drewitz für das Quartier und sein Umfeld eine langfristige Verbesserung der Lebens- und Wohnqualität zu etablieren. Angestrebt werden zeitgemäße, nachhaltige Wohnformen für Jung und Alt im von Grün geprägten Stadtraum, welche durch ihre flexiblen Zuschnitte, großzügigen Raumzusammenhänge, viel Tageslicht und erhöhtem Wohnkomfort überzeugen. Dabei ist die Umsetzung dieser Ziele unter der Prämisse eines verantwortlichen Umgangs der zur Verfügung stehenden Ressourcen maßgebend.

Unsere Städte sind heute vielfach geprägt von Monotonie, Repetition und Eintönigkeit. Aufgrund der hier gegebenen Fassadenabwicklungen ist eines der Ziele, Ausdruck, Gestalt und Materialisierung dieser langen Gebäudeteile in Einklang mit dem Menschen zu bringen. Außerdem wird bei der geplanten Aufstockung ihre Verträglichkeit und Einbindung in die städtebauliche Gesamtsituation mit Bedacht überprüft und entwickelt. Für die neuen Geschosse ist eine durchgehende Barrierefreiheit angestrebt, wovon auch die übrigen Wohnungen profitieren, wenn auch eine generelle Barrierefreiheit nicht wirtschaftlich (und auch nicht sinnvoll) erscheint. Durch die Neugestaltung der Innenhöfe entstehen behagliche Grünräume hoher Aufenthaltsqualität, die eine vielschichtige Nutzbarmachungen ermöglichen, in Dialog zu den Gebäuden und ihrem Umfeld treten und entscheidend zur Quartiersidentifikation beitragen werden. Im Erdgeschoß vermitteln differenzierte Vorzonen mit Grünflächen, offenen Fahrradstellplätzen und Sitzbänken zwischen den Eingängen und Stadtraum. Eingangshallen erhalten durch einfache Anpassungen (z. B. Farbakzente in den Bodenbelägen, eine Sitzbank oder nach Innen verlegte Briefkästen) einen individuelleren Charakter und tragend zur Orientierung bei. In den Innenhöfen werden Müllcontainer und überdachte Fahrradstellplätze in einfachen Einhausungen in das landschaftsplanerische Konzept integriert. Wege, kleine Plätze, Aufenthaltszonen, Spielbereiche und einige Mietergärten komplettieren die Aufwertung der Höfe.

Die Ökonomie des Projektes basiert auf dem Ansatz in die bestehende Gebäudegrund-substanz, also ihrer tragenden Wände, Geschoßdecken und Erschließungskerne, nicht einzugreifen. Darüber hinaus werden massive Bauteile des Daches, welche im Zuge des Rückbaus für die Aufstockungen ausgelöst werden, in Form von Terrassen und Plfanzen-trögen für die Erdgeschoßwohnungen der Innenhöfe recycelt. In den Bestandswohnungen werden lediglich nichttragende Innenwände und wenige Außenwandbereiche verändert. Die Haustechnikschächte bleiben erhalten und werden für neue Trassenverläufe weiter genutzt. Dieser ökonomische Grundsatz ermöglicht eine zusätzliche, einseitige Raumschicht vor die bestehenden, sehr robusten Waschbetonfassaden zu stellen. Die neue Fassadenschicht verzahnt sich hierbei, wärmebrückenfrei, mit der Bestehenden. Damit entstehen unerwartet großzügige Außen- und Innenräume für jede einzelne Wohnung. Der Wohnraum wird nach Innen erweitert und bezieht den Außenraum in das Prinzip des Offenen Wohnens mit ein. Ferner begünstigt die Raumhaltigkeit der ‚neuen Fassadenschicht‘ das (aus Sicht der Autoren wichtiges) lebendiges Erscheinungsbild zur Stadt hin und wirkt auf diese Weise Monotonie entgegen. Großzügige Balkone, Blumenfenster und frei verschiebbare Vorhänge ermöglichen den Bewohnern dabei eine sehr individuelle, flexible Benutzung jener Binnenräume, was auch den Dialog zum Konrad-Wolf-Park und zu den Innenhöfen hin fördert. Während die zum Stadtpark orientierten Südseiten mit vorfabrizierten und gedämmten Stahlbetonfertigteilen und massiven Betonbrüstungselementen den Park stärker fassen sollen, sind die hofseitigen Fassadenerweiterungen in ihrem Duktus durchlässiger, offner (und auch spartanischer) gestaltet.

Das vorletzte Geschoß (erstes Geschoß der Aufstockung) übernimmt sowohl Grundrißtypologie, statisches System als auch Fassadengestalt der Regelgeschosse, während das letzte Geschoß (zweites Aufstockungsgeschoß) durch eine Terrasse vom Stadtraum zurückweicht und dem sehr langen, rhythmisch gegliederten Gebäude einen ruhigen, harmonischen Abschluß gibt. Das letzte Geschoß ist als gut gedämmte Holzbaukonstruktion geplant und kann (wie die restlichen Regeldachgeschosse auch), mit PV- und / oder Solar-Anlagen bestückt werden, um zusätzlich zu der anvisierten Fernwärmeversorgung einen Teil der Brauchwassererwärmung und ggf. auch einen Teil des Strombedarfs zu decken. Zielwert der energetischen Sanierung für Quartier 8 ist KFW 70, eventuell KFW 40.
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